Die unsichtbare Lücke: Warum Betriebshaftpflicht nicht gleich Betriebshaftpflicht ist

Versicherungsschutz in Unternehmen gilt oft als erledigte Sache: Der Vertrag zur Betriebshaftpflicht liegt vor, die Jahresrechnung ist bezahlt, das Thema scheint abgehakt. Doch die Praxis zeigt, dass viele dieser Policen lückenhaft sind, vor allem, wenn sie seit Jahren nicht angepasst wurden. Zwischen tatsächlichem Risiko und versicherter Realität liegen oft Welten. Das Problem: Diese Lücken bleiben meist so lange unsichtbar, bis der Schaden eintritt.

Betriebshaftpflicht lückenhaft
Die stille Gefahr veralteter Policen

Die klassische Betriebshaftpflichtversicherung zählt zu den Grundpfeilern unternehmerischer Absicherung. Sie greift, wenn Dritten durch betriebliche Tätigkeiten ein Schaden entsteht – sei es Personen-, Sach- oder daraus resultierender Vermögensschaden. Was auf dem Papier einfach klingt, ist in der Praxis häufig komplex. Viele Unternehmen verlassen sich auf Verträge, die nicht mehr zum aktuellen Betriebsrisiko passen.

Veraltete Policen stammen oft aus einer Zeit, in der weder Cloud-Dienste noch automatisierte Maschinen zum Alltag gehörten. Neue Risiken, wie Cybervorfälle oder Schäden durch fehlerhafte Software in Maschinen, bleiben dann außen vor. Auch die Deckungssummen wurden in vielen Fällen nie an moderne Schadenshöhen angepasst. Der wirtschaftliche Schaden, wenn ein Anspruch nicht versichert ist, kann immens sein.

Besonders gefährlich sind standardisierte Verträge, die keinen Raum für branchenspezifische Besonderheiten lassen. Beispielsweise erfordern Gastronomiebetriebe, Handwerksunternehmen oder medizinische Einrichtungen jeweils spezielle Haftungsbausteine. Fehlen diese, entstehen Deckungslücken, die im Schadenfall teuer werden.

Typische Deckungslücken in der Betriebshaftpflicht

Viele Versicherungslücken in der Betriebshaftpflicht entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch fehlende Aktualisierung. Unternehmen verändern sich, wachsen, verlagern Schwerpunkte oder automatisieren Prozesse. Die Versicherung jedoch bleibt oft unverändert. Besonders häufig betreffen die Lücken folgende Bereiche:

Schlüsselverlustrisiken und Obhutsschäden

Im hektischen Alltag kann ein verlorener Schlüssel zu einer teuren Angelegenheit werden – vor allem bei Schließanlagen in Bürogebäuden oder bei Fahrzeugflotten. Moderne Tarife decken Schlüsselverlustrisiken samt Folgekosten bis zu 50.000 Euro ab. Ältere Verträge sehen dafür meist nur symbolische Beträge oder gar keine Leistungen vor. Ähnlich verhält es sich mit Obhutsschäden: Wird fremdes Eigentum beschädigt, das sich vorübergehend in der Obhut des Unternehmens befindet, greift die Haftung – aber nur, wenn dies explizit versichert ist.

Internetnutzung und digitale Risiken

Viele Betriebe nutzen Webplattformen, Cloud-Systeme und E-Mail-Marketing. Doch bei Schäden durch Datenverluste, Datenschutzverletzungen oder unberechtigte Nutzung fremder Inhalte (z. B. Bilder, Marken, Texte) endet der Schutz oft abrupt. Eine Zusatzdeckung für Internet-Technologien – in modernen Tarifen mit bis zu einer Million Euro abgesichert – ist in traditionellen Policen nicht enthalten. Auch technische Defekte können schnell zu Produktionsausfällen führen, wie in diesem Beitrag dargestellt wird.

Umwelthaftung und Umweltschadensversicherung

Ein weiteres Beispiel für Betriebshaftpflicht, die lückenhaft ist, zeigt sich im Bereich Umwelt. Unternehmen mit Tankanlagen, Fettabscheidern oder anderen WHG-relevanten Anlagen benötigen eine spezielle Deckung. Diese umfasst sowohl privatrechtliche Ansprüche (Umwelthaftpflicht) als auch öffentlich-rechtliche (Umweltschadensversicherung). Nur wenn beide Bausteine vorhanden sind, besteht umfassender Schutz. Erweiterte Risiken durch Naturereignisse werden in vielen Policen ebenfalls unzureichend berücksichtigt, wie hier beschrieben wird.

Erweiterte Produkthaftung und Rückrufkosten

Ein weiterer kritischer Bereich betrifft die Produkthaftung. Hersteller und Lieferanten haften nicht nur für Schäden am Produkt, sondern auch für Folgeschäden, etwa durch fehlerhafte Komponenten. Werden Produkte in Verkehr gebracht, die Mängel aufweisen, kann ein Rückruf nötig werden – inklusive Kosten für Logistik, Informationspflichten und Ersatz. Ohne erweiterten Produkthaftungsschutz wird es schnell teuer.

Betriebshaftpflicht lückenhaft: Woran die Prüfung ansetzen sollte

Je komplexer ein Unternehmen ist, desto differenzierter muss die Haftpflichtabsicherung erfolgen. Die alleinige Existenz eines Vertrags ist keine Garantie für Schutz. Vielmehr empfiehlt sich eine regelmäßige Prüfung, idealerweise jährlich, entlang zentraler Fragen:

  • Hat sich der Geschäftsbetrieb oder die Risikolage verändert?
  • Sind aktuelle gesetzliche Anforderungen berücksichtigt?
  • Gibt es branchenspezifische Risiken?
  • Wie hoch sind die Deckungssummen?
  • Existieren explizite Ausschlüsse?

Moderne Konzepte – wie im Beispiel FirmenSAFE – greifen diese Problematik auf, indem sie ein modular aufgebautes Leistungspaket bieten, das regelmäßig aktualisiert wird. Auch die Übernahme von Leistungen eines Vorversicherers in den ersten Jahren stellt sicher, dass ein nahtloser Übergang gelingt. So entsteht ein dynamisches Schutzkonzept, das mit dem Unternehmen mitwächst, ohne bei jeder Änderung neu kalkuliert werden zu müssen.

Sicherheitsgefühl reicht nicht: Was moderne Haftpflicht wirklich leisten muss

Die Betriebshaftpflicht zählt zu den Selbstverständlichkeiten im Unternehmensalltag. Doch gerade diese Selbstverständlichkeit kann zur Gefahr werden, wenn Policen veralten oder nicht mit dem Unternehmen Schritt halten. Der Schaden kommt oft nicht durch die Tätigkeit selbst, sondern durch die Erwartung, dass man versichert ist.

Wer sich auf seine Haftpflichtversicherung verlässt, ohne zu wissen, was sie abdeckt, geht ein kalkuliertes Risiko ein. Dieses Risiko ist umso größer, je breiter und digitaler ein Betrieb aufgestellt ist. Die gute Nachricht: Die Lücken lassen sich schließen – durch regelmäßige Überprüfung, gezielte Ergänzungen und einen kritischen Blick auf die eigene Risikolandschaft.

Jetzt prüfen, später ruhiger schlafen: Kostenloses Beratungsgespräch anfragen

Wie steht es um die Haftungslücken im eigenen Unternehmen? Ein offenes Gespräch mit einem Experten kann helfen, unerkannte Risiken sichtbar zu machen. Wer möchte, kann ganz unverbindlich einen Termin vereinbaren – einfach, ohne Verpflichtung, aber mit echtem Erkenntnisgewinn.

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